
Ein paar Schritte gen Süden von München – und man steht mitten im Kino. Die Bavaria Filmstadt ist kein Drehort im klassischen Sinn, sondern ein ganzes Universum aus Filmgeschichte, Illusion und Staunen. Seit über 100 Jahren entstehen hier die Bilder, die deutsche und internationale Zuschauer geprägt haben: von Das Bootüber Jim Knopf und Die unendliche Geschichte bis hin zu Fack Ju Göhte. Wer durch die Straßen der Filmstadt spaziert, bewegt sich zwischen Originalkulisse und Traumlandschaft – zwischen echten Ziegeln und Pappmauern, zwischen Requisiten und Erinnerungen. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Set und Realität so mühelos, dass man unwillkürlich vergisst, was echt ist – und was Film.
Ein Klassiker der Filmgeschichte: das nachgebaute U-Boot aus Wolfgang Petersens Das Boot. Im engen Inneren des Sets hallen noch heute die Kommandos wider – „Auftauchen!“, „Torpedo los!“ – und der Geruch von Metall und Maschinen scheint nie ganz verflogen. Die Kulisse wurde für Besucher:innen zugänglich gemacht und vermittelt das beklemmende Gefühl der Dreharbeiten: die klaustrophobische Spannung, das Zittern, das Rumpeln. Ein Gang durch dieses Boot ist wie ein Schritt in die Dunkelkammer des deutschen Kinos.
Wer durch die Hallen der Bavaria geht, begegnet ihm wieder – Fuchur, dem Glücksdrachen. Der überlebensgroße Nachbau der fliegenden Filmfigur ist längst ein Symbol für die Magie des Kinos.In Wolfgang Petersens Verfilmung von Michael Endes Roman wurde hier ein Teil des Sets errichtet: Greenscreens, Windmaschinen, Himmel aus Stoff. Heute dürfen Besucher:innen selbst auf Fuchurs Rücken Platz nehmen – ein Moment zwischen Kindheit und Mythos.Es ist nicht nur Nostalgie, sondern eine Reise zurück in die eigene Vorstellungskraft.
Zwischen Drachenfels und Lummerland entfaltet sich in den Studios eine detailverliebte Welt aus Pappe, Holz und Dampf. Teile des Films Jim Knopf & die Wilde 13 wurden hier nachgebaut – inklusive Lokomotive Emma, die im Originalmaß steht und dampft wie im Film. Die Kulissen zeigen, wie sorgfältig Handwerk und digitale Effekte hier ineinandergreifen. Für Besucher:innen ist das ein Blick hinter den Vorhang: Wo der Fantasie Motoren wachsen, fährt Emma noch immer weiter.
Neben den Klassikern sind auch jüngere Produktionen in der Bavaria Filmstadt zuhause: Die Wilden Kerle, Chantal im Märchenland oder Fack Ju Göhte 3 haben hier gedreht, in Höfen, Klassenzimmern oder Fantasiewelten. In einer Ecke steht noch der Schulflur, in einer anderen funkelt das Märchenschloss – Kulissen, die von Szene zu Szene ihre Identität wechseln. Was gestern noch eine Villa war, wird morgen ein Gefängnis oder eine Zauberschule. Und genau darin liegt der Zauber dieses Ortes: Veränderung als Konstante, Kino als Handwerk.
Die „Backlot“-Straßen der Bavaria Filmstadt sind die Chamäleons des deutschen Kinos. Fassaden, die sich auf Knopfdruck verwandeln: heute Berlin, morgen Rom, übermorgen eine Kleinstadt im Fantasyland. Fensterläden werden getauscht, Schilder gedreht, Licht gesetzt – und plötzlich ist man in einer neuen Welt. Es sind diese variablen Häuserfronten, die zeigen, was Film wirklich ist: nicht Täuschung, sondern kontrollierte Verwandlung.
















