
Berlin, Ende der 1920er Jahre: eine Stadt zwischen Glanz und Abgrund, Tanz und Terror. In Babylon Berlin erwacht dieses Berlin zu neuem Leben – opulent, düster, vibrierend. Was auf dem Bildschirm wirkt wie ein Traum aus Rauch, Jazz und Straßenlaternen, hat seinen Ursprung mitten in der Stadt. In Berlin-Mitte fanden die Macher Orte, an denen das alte Berlin noch spürbar ist: die Immanuelkirche als stiller Zufluchtsort, das Rote Rathaus als Sinnbild staatlicher Macht, und der Alexanderplatz – die pulsierende Bühne einer Epoche im Rausch der Moderne. Wer diese Orte besucht, steht zwischen Fiktion und Geschichte – und hört vielleicht noch ein leises Echo des Grammophons aus der Ferne.
Kaum ein Ort symbolisiert das Berlin der Zwanziger so stark wie der Alexanderplatz. In Babylon Berlin wird er zur Metapher der modernen Großstadt – ein vibrierendes Zentrum voller Bewegung, Menschen und Maschinen. Hier tobt das Leben, und genau das fängt die Serie ein: Straßenbahnen ruckeln, Demonstrationen ziehen vorbei, der Staub der Baustellen legt sich auf die Gesichter der Passanten. In der Realität mussten viele Szenen in Babelsberg nachgebaut werden, doch Außenaufnahmen am Platz selbst fangen die monumentale Stimmung ein – das Chaos einer Stadt, die gerade das 20. Jahrhundert erfindet. Heute steht man dort zwischen Glasfassaden und Einkaufszentren – und ahnt kaum, dass unter der Oberfläche noch immer das Berlin von Babylon glimmt.
Das Rote Rathaus, mit seiner wuchtigen Fassade aus Backstein, spielt in der Serie eine zentrale Rolle – es wird zur fiktiven „Roten Burg“, dem Polizeipräsidium von Kommissar Gereon Rath. Hier beginnt seine Spurensuche, hier kreuzen sich Intrigen, Macht und Moral. Das echte Rathaus mit seinen Rundbogenfenstern und Türmchen bietet die perfekte Kulisse für dieses Spiel aus Ordnung und Abgrund. Wenn in der Serie Limousinen vorfahren und Reporter aufblitzen, wirkt die Fassade wie ein Monument aus Ziegeln und Schatten. Wer davor steht, spürt die Ambivalenz des Ortes: Verwaltung und Verbrechen, Realität und Fiktion – so nah beieinander wie selten in der Filmgeschichte.
Nur wenige Straßenzüge vom Trubel entfernt steht die Immanuelkirche im Prenzlauer Berg – ein Ort, der im Serienuniversum für einen seltenen Moment von Ruhe sorgt. Hier wird geheiratet, gestritten, gezweifelt. In der neoromanischen Kirche mit ihren hohen Bögen und der warmen Ziegelstruktur entsteht ein Kontrast zur Dunkelheit der Stadt: eine Szene von Intimität und Glaube inmitten des moralischen Chaos. Der Dreh hier zeigt, was Babylon Berlin so meisterhaft kann – die Welt der Sünde und der Sehnsucht mit einer einzigen Kamerafahrt verbinden. Wer heute das Kirchenschiff betritt, hört kein Glockengeläut – aber vielleicht noch ein leises Echo des Jazz, der draußen weiterklingt.








